Diese Woche hat EU-Kommisarin Fischer-Boel Ihre Pläne zur Weinmarktreform vorgestellt.
Der Aufschrei der arrivierten Winzer, die in den Medien befragt wurden blieb aus. Ist auch verständlich. Wenn man seit Jahrzehnten Qualitätsweinbau betreibt, sich im In- und Ausland einen Namen gemacht hat, kann einem wirklich egal sein was in Brüssel passiert.
Problematischer sehe ich die Situation für eine neue Winzergeneration, die gerade dabei ist sich im „Qualitätsweinbau“ zu etablieren oder ganz krass wie in meinem Fall, wo man noch ganz am Anfang steht.
Was mich besonders treffen würde wären die Rodungsprämien für Weingärten. Es ist nicht so einfach rund um Wien neue Pachtflächen zu finden. Wenn nun Weinbauern in den kommenden Jahren mit der Bewirtschaftung aufhören ist so eine Rodungsprämie von einigen tausend Euro pro Hektar sicherlich sehr verlockend und einfacher als eine Verpachtung.
Insgesamt sehe ich den Reform-Vorschlag als eine „Coca-Colaisierung“ oder „Mc Donaldisierung“ des traditionellen europäischen Weinbaus. Ein besonderer landwirtschaftlicher Zweig, der auf Grund der großen klimatischen Unterschiede und der verschiedensten Landschafts- und Bodentypen so viele hervorragende Weintypen hervorbringt. Absolut ungeeignet um alles über einen Kamm zu scheren.
Sehr gut gefällt mir in diesem Zusammenhang die Stellungnahme von Budesminister Josef Pröll: http://presse.lebensministerium.at/article/articleview/58644/1/17618/
Auch die Bundesweinbauverbände in Deutschland und Österreich haben massiven Widerstand angekündigt. Es wird spannend . . .
Ich halte Euch auf dem Laufenden!
Juli 6, 2007 at 2:39
Vieles in den Reformvorschlägen ist tatsächlich Unsinn. Anreicherung mit Zucker ist in einigen Weinbaugebieten traditionell gemacht worden und nicht allgemein abzulehnen. Auch die Rodungen sind so nicht sinnvoll. Der Zweck ist bestimmt ganz richtig, der Weg jedoch nicht. Wenn kaum Wein aus einem Land oder Anbaugebiet destilliert werden muss, dann ist es doch nicht sinnvoll Rodungen zu Fördern. In Deutschland wird ja gerade in diesem Jahr wieder von vielen Winzern ein enormer Preisanstieg durch zu geringe Erntemengen begründet. Eine Förderung der Reduzierung der Anbauflächen würde da doch nach hinten los gehen.
Viele Grüße
Thomas